EZB: Digitaler Euro als Krypto Euro auf Blockchain Technologie geplant

EZB plant Krypto-Euro

Die Europäische Zentralbank (EZB) beschäftigt sich seit einiger Zeit mit der Überlegung, einen Krypto-Euro einzuführen. Was es mit diesen Plänen auf sich hat und ob wir uns vom Bargeld verabschieden sollen, lesen Sie in diesem Beitrag.

Das Wichtigste in Kürze:

  • EZB plant die Einführung des digitalen Euros.
  • Kein Ersatz für physisches Geld, sondern Ergänzung.
  • Krypto-Euro soll auf Blockchain-Technologie basieren.
  • Projekt steht erst am Anfang, Umsetzung wird noch dauern.

Der Hintergrund zum digitalen Euro

Notenbankpräsidentin Christine Lagarde sieht eine Notwendigkeit, den Euro für die zunehmende Digitalisierung im Zahlungsverkehr stark zu machen. China testet bereits regional über die Zentralbank den Einsatz einer eigenen Kryptowährung.

Der digitale Euro soll laut Lagarde allerdings keine Alternative zum physischen Euro sein, sondern diesen ergänzen (Der Standard, 2. 10.2020). Was sind die Beweggründe dafür, eine weitere Kryptowährung an den Start zu bringen?

Laut Lagarde geht der Trend der Verbraucher zunehmend in die Richtung der digitalen Bezahlmethoden. PayPal oder im Supermarkt mit dem Handy am Kassenterminal zu bezahlen sind nur zwei Beispiele dafür, wie digitale Bezahlvorgänge das Bargeld in den Hintergrund drängen. In Schweden werden inzwischen 95 Prozent der Transaktionen im Einzelhandel bargeldlos vorgenommen.

Wo liegen die Vorteile eines digitalen Euros?

Digitales Banking nimmt neben dem Bezahlen einen immer größeren Raum ein. Immer mehr Anleger greifen beispielsweise auf digitale Vermögensverwaltung, Roboadvisor, zurück. Kurz und gut, der Euro soll durch die Krypto-Ergänzung gestärkt werden.

Der Anstieg der bargeldlosen Transaktionen zeigt, so der EZB-Bericht zum geplanten Krypto-Euro, dass seitens der Verbraucher ein echter Bedarf an Alternativen zum Bargeld bestehe.

Die Europäische Zentralbank sieht in einer eigenen Kryptowährung aber noch andere Vorteile. Im Katastrophenfall wären, vorhandener Strom für die Server vorausgesetzt, immer noch finanzielle Transaktionen möglich.

Es spielt dabei auch ein wenig die Befürchtung mit hinein, dass die bisherigen Kryptowährungen, aber auch die von Facebook geplante neue Währung Libra, sich zu sehr abseits der Wirtschaftssysteme unkontrolliert entwickeln.

Mit einem Krypto-Euro stünde eine Währungsergänzung zur Verfügung, die nach wie vor der Kontrolle der Zentralbank unterliegt.

Der Nachteil – der Standpunkt zu den Befürwortern von Bitcoin und Co

Gerade die mangelnde Kontrolle von Staaten oder Staatengemeinschaften über die „klassischen“ Kryptowährungen wurden von den Befürwortern als Vorteil gesehen. Die Kursentwicklung der Kryptowährungen könne sich frei von Interventionen der Zentralbanken bewegen. Abwertungen als konjunkturpolitisches Instrument sind nicht möglich.

Kritisiert wird auch, dass private Kryptowährungen parallel stärker kontrolliert werden sollen und

  • Transparenz und Offenlegung, die Ausgabe der Assets,
  • Angaben zum Betrieb, der Organisation und der Verwaltung
  • sowie bei den dazugehörenden Verbraucherschutzregeln

verpflichtend werden (F.A.Z., „EZB macht Ernst mit dem digitalen Euro“, 11.9.2020).

Wie soll der Krypto-Euro gestaltet werden?

Die EZB plant die Ausgabe von Krypto-Euros auf der Basis der von Bitcoins schon bekannten Blockchains. Der digitale Euro würde damit parallel zum physischen Euro existieren und für digitale Transaktionen zur Verfügung stehen. Natürlich wirft die Idee, den Euroraum um eine kontrollierte Kryptowährung zu bereichern, auch Fragen auf.

Szenarien zur Umsetzung des digitalen Gegenstücks zum physischen Euro gibt es einige. Ulrich Bindseil, EZB-Generaldirektor für Marktinfrastrukturen, stellte das 3.000-Eurokonto als Option in den Raum (www.spiegel.de, 2.10.2020) . Jeder Bürger in Europa erhält nach diesem Modell ein Konto für den Kryptoeuro bei der Zentralbank. Angedacht ist, dass auf dieses Konto überdurchschnittlich hohe Zinsen gezahlt werden. Beträge, die 3.000 Euro überschreiten, werden allerdings nicht mehr verzinst.

Sinn des Modells ist es, dass Bürger im Krisenfall über ein digitales Guthaben verfügen und ein Sturm auf die Bankschalter, wie in Griechenland während der Finanzkrise, ausbleibt.

Wie ist der Fahrplan für den Krypto-Euro?

Stand Anfang Oktober 2020 liegt zunächst der Bericht einer Arbeitsgruppe vor. Diesem folgen im Oktober zwei parallele Schritte. Zum einen beginnt am 12. Oktober 2020 ein öffentliches Konsultationsverfahren mit Experten, Politikern und Bürgern. Zeitgleich will die EZB ein erstes Probeszenario für den Krypto-Euro durchlaufen.

Wie schnell die Umsetzung der Digitalwährung erfolgen kann, hängt allerdings auch davon ab, wie schnell sich die 19 Notenbanken einigen und wann der EZB-Rat seine letztendliche Zustimmung gibt.

Die Kritik am Krypto-Euro

Aus der Ecke der Datenschützer ist zu hören, dass jede Transaktion künftig nachverfolgt werden könne. Das ist einerseits richtig. Auf der anderen Seite führt das bargeldlose Bezahlen mittels Kreditkarte oder App aber ebenso zu einer Nachverfolgungsmöglichkeit der Ausgaben des einzelnen Bürgers. Selbst öffentliche Toiletten in Schweden können nur noch per App digital bezahlt werden. Das gilt übrigens auch für den Klingelbeutel in den Kirchen.

Den Vorwurf des gläsernen Verbrauchers möchte die EZB durch die Möglichkeit ausräumen, dass Beträge bis zu einem bestimmten Volumen anonym bezahlt werden können (www.boerse.ard.de).

FAQs zum Krypto-Euro

Schafft die EZB das Bargeld ab?

Nein, der Krypto-Euro soll nur als Ergänzung zum Bargeld dienen, nicht als Ersatz.

Digitale Euros erhöhen das Umlaufvermögen – führt das nicht zu Inflation?

Hier muss sich die EZB tatsächlich etwas einfallen lassen. Denkbar ist, dass für jeden digitalen Euro ein physischer Euro aus dem Verkehr gezogen wird.

Was machen Menschen ohne Smartphone oder anderen mobilen Endgeräten?

Da der physische Euro weiterhin Bestand haben wird, werden Menschen, die keine Smartphones oder andere zum Bezahlen taugliche Endgeräte nicht benutzen, nicht von Transaktionen ausgeschlossen.

Können sich Geschäfte dann weigern, physische Euros zu akzeptieren?

Auch diese Frage muss noch geklärt werden. In Schweden steigt allerdings die Zahl der Einzelhändler und Gastronomen, die Bargeld inzwischen ablehnen.

Wer kontrolliert den Krypto-Euro?

Hier sieht die Europäische Zentralbank den großen Vorteil gegenüber „freien“ Kryptowährungen in der Aufsicht durch die EZB. Ein grauer Markt, wir er bei Bitcoin oder Ethereum existiert, wird nicht möglich sein.

Wann wird der Krypto-Euro eingeführt?

Dazu gibt es seitens der EZB noch keinerlei Aussagen. Das Projekt steht erst ganz am Anfang, eine Zustimmung von allen beteiligten Zentralbanken liegt noch nicht vor.