Wirtschaft: Kündigungs- und Pleitewelle rollt über Österreich

Die Corona-Krise hat Folgen und die sind nicht nur gesundheitlicher Natur. Drei der weitreichendsten Folgen sind der massive Stellenabbau, die Kurzarbeit und Unternehmen, die entweder vor oder bereits in der Insolvenz sind.

Etwa eine halbe Million Österreicher sind derzeit arbeitslos und 290.000 Menschen in Kurzarbeit. Jobplattformen haben Hochkonjunktur. Jetzt folgt nach Expertenmeinung die Pleitewelle, die wieder höhere Arbeitslosenzahlen nach sich ziehen wird.

Der Höhepunkt dieser Krise ist also noch lange nicht erreicht. Nach Expertenmeinung wird die nun zu erwartenden Pleitewelle wesentlich schlimmer ausfallen als die während der Finanzkrise 2008/2009. Sie wird wahrscheinlich auch länger dauern.

Die Wirtschaftsleistung Österreichs ist bereits im zweiten Quartal 2020 um 14,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Hilfen können eine Pleitewelle abfedern, aber nicht aufhalten. Darin sind sich die Experten einig. Dabei sind Hilfen und Stundungen eben kein ausreichendes Mittel, um Umsatzeinbußen von 50 Prozent und mehr abzufedern. Unternehmen in der Gastronomie, dem Tourismus, dem Handel und Kleinstunternehmen sind besonders betroffen.

Jobplattformen haben Hochkonjunktur

Der Anteil an erwerbslosen Jobsuchenden auf Jobplattformen ist im Schnitt um zehn Prozent angestiegen. In einzelnen Bundesländern sogar um 20 Prozent. Das gilt sowohl für Männer wie Frauen. Die Corona-Krise dürfte nicht unbeteiligt daran gewesen sein.

Die meisten Menschen suchen eine Tätigkeit im Handel oder im Vertrieb. Diesen Branchen haftet das Image von krisensicher an. Dann folgen Jobsuchen im Bereich Administration und Sachbearbeitung und Einkauf, Logistik und Transport. Dabei suchen Männer überwiegend Vollzeitstellen, währenddessen Frauen in Teilzeit arbeiten möchten.

Finden die nun Arbeitslosen keinen neuen Job, droht die Gefahr der Langzeitarbeitslosigkeit. Sind Menschen erst einmal aus dem Arbeitsmarkt raus, sind die Folgen nicht mehr so leicht einzudämmen.

Für Jugendliche sieht die Lage besonders dramatisch aus. Viele von ihnen hatten im März 2020 bereits eine Zusage für eine Lehrstelle. Doch dann kam die Absage.

Tipp: Je nach persönlicher Situation kann es sinnvoll oder notwendig sein, eine Umschulung beim AMS in Anspruch zu nehmen – wir informieren über Voraussetzungen und Umschulungsgeld.

Rettung durch Finanzspritzen

Noch können sich viele Klein- und Kleinstunternehmen dadurch retten, dass sie die Hilfe des Staates und Stundungen in Anspruch nehmen. So kommt man über die Runden.

Nach Expertenmeinung wird es jedoch nicht mehr lange dauern und diese Maßnahmen greifen nicht mehr, denn sie werden auslaufen. Schon jetzt geben viele kleine Unternehmen auf, da die Erlöse fehlen oder zu spärlich sind. Künstler sind davon besonders betroffen.

Keine Verbesserung beim Wohlstand in Österreich

Am 29.09.2020 stellte die Arbeiterkammer ihren ‘Wohlstandsbericht’ vor. Zum ersten Mal gab es in keinem Bereich eine Verbesserung. Die Corona-Krise wirkt sich nachhaltig auf den Lebensstandard in Österreich aus.

Stattdessen hat sich bei der Verteilung der Vermögen und Lage auf dem Arbeitsmarkt die Situation negativ verschärft. Gemessen werden von der Arbeiterkammer die Gerechtigkeit der Verteilung, die Lebensqualität und die intakte Umwelt.

Die Arbeiterkammer kritisiert, dass die Regierung die Situation auf dem Arbeitsmarkt verschlafen hat. Werde nicht schnell mit Konjunktur- und Beschäftigungspaketen gegengesteuert, drohe eine zweite Entlassungswelle.