FMA Aufsichtskonferenz: Österreichische Banken im Corona-Stress

Am heutigen Donnerstag, den 01.10.2020, fand die diesjährige Aufsichtskonferenz der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) statt. Nach Einschätzung des FMA-Vorstandes Helmut Ettl, werden etwa 25 Prozent der zurzeit gestundeten Kredite ausfallen. Die Bankenaufsicht hat bezüglich Corona einen eigenen Stresstest durchgeführt. Die heutige Konferenz fand übrigens online statt.

Das Ergebnis

Die Aufsichtskonferenz kommt zu dem Schluss, dass die Folgen der Coronakrise zwar schmerzhaft, aber verkraftbar sein werden für die österreichische Finanzwirtschaft.

Es geht zwar um Milliardenverluste, doch der Anteil der Kredite, die ausfallen im Verhältnis zu allen vergebenen Krediten, wird sich nach Meinung der Finanzmarktaufseher nur von zwei auf vier Prozent erhöhen.

Dabei handelt es sich jedoch nur um die Einschätzung aus heutiger Sicht. Es sind also auch andere Prozentzahlen möglich. Trotzdem liegt die Prozentzahl von vier Prozent noch weit unter den 13 Prozent, die in der Finanzkrise 2008/2009 abzuschreiben waren.

Die Folgen für die Banken

Ganz klar kam bei der Aufsichtskonferenz der FMA heraus, dass die Wirtschaft und die Banken nicht entkoppelt werden können, jedenfalls nicht auf Dauer.

Gegenüber 2008/2009 während der Finanzkrise gehen die Bankinstitute in der Corona-Krise weitaus stärker in die Krise. Die FMA geht davon aus, dass es auch bei den österreichischen Banken weitere Einschnitte und Sparprogramme geben wird, die schmerzhaft sein werden.

Auch Strukturbereinigungen könnten auf der Agenda stehen. FMA-Vorstand Ettl kann nicht ausschließen, das einzelne Bankinstitute vom Finanzmarkt verschwinden werden. Diese Marktaustritte seien laut Ettl im Jahr 2021 zu erwarten, wenn sich die Corona-Krise manifestiere.

Trotzdem sieht er für die Stabilität des Finanzmarktes in Österreich keinerlei Gefahr.

Schwachstellen der Banken werden aufgedeckt

Der Vorsitzende der europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA José Manuel Campa ist der Meinung, dass die Corona-Krise bereits bestehende Schwachstellen der Finanzinstitute verschärft hat. Die Folgen einer Pandemie für die Banken wären aber vor ein paar Jahren noch wesentlich schlimmer für die Banken gewesen, so Campa.

Das Jahr 2021 eine Herausforderung

Bernhard Spalt, der Konzernchef der Erste Bank, ist der Ansicht, dass das Jahr 2021 extrem herausfordernd sein wird.
Laufen die von der Regierung geschnürten Hilfspakete für die Wirtschaft aus, sind die Finanzinstitute mit großen Herausforderungen konfrontiert. Um das zu vermeiden, müssen die staatlichen Hilfsprogramme schrittweise auslaufen. Dieser Ansicht ist FMA-Vorstand Eduard Müller.