WARNUNG- Bitcoin Betrug per Mail – Fake News & Werbung 2020

Bitcoins – der Betrug im Mailpostkorb

Banken zittern, Yvonne Catterfeld scheffelt Millionen und eine „Höhle der Löwen“-Sendung durfte nicht ausgestrahlt werden.

Das ist, mit Verlaub, alles Quatsch und dient als Anreißer für einen Millionenbetrug. Unzählige Nutzer werden jeden Tag mit E-Mails bombardiert, die diese und ähnliche Überschriften tragen. Was steckt dahinter?

Bitcoins – immer noch ein beliebter Basiswert

Auch wenn der große Hype um Bitcoins und andere Kryptowährungen vorbei ist, erfreuen sich diese immer noch einer gewissen Beliebtheit als Basiswert für das Trading. Für viele Verbraucher haftet den Kryptos immer noch etwas Mystisches an, was die Währungen dafür prädestiniert, „Stories“ um sie herum aufzubauen, die letztlich nicht belegbar sind.

Währungshandel, im Internet als „Forex-Trading“ auch für private Anleger aufgezogen, hat zwar etwas an Beliebtheit verloren, ist aber immer noch machbar. Hintergrund für den Popularitätsverlust sind die seit 2018 geltenden Restriktionen im Forexhandel.

Forex als Vorbild

Das System des Tradens war einfach. Anleger setzten darauf, dass eine Währung gegenüber einer anderen steigt oder fällt. Der Handel war durch plattformbasierte Vorgaben weitgehend automatisiert. Automatisch kaufen, wenn der Preis unter einen bestimmten Punkt fällt, automatisch verkaufen, wenn er darüber steigt.

Genau diese Systematik und das Halbwissen vieler Verbraucher machen sich die Betreiber der betrügerischen Bitcoin-Plattformen zunutze: Automatisierte Prozesse, bei denen sich der Anleger um nichts kümmern muss. Algorithmen, die entscheiden, was zu tun ist, um Menschen reich zu machen.

Bereits an dieser Stelle müsste man doch eigentlich aufhorchen. Anleger A setzt auf Bitcoin, Anleger B auf Ethereum – es kann nur einen Gewinner geben, der Werbung zufolge werden aber alle reich.

Eine fast perfekte Betrugsmasche – die Vorgehensweise

Zunächst einmal nutzt der Titel der Mail das alte Muster, das darauf verweist, dass andere Menschen mit einem bestimmten Vorgehen Erfolg haben. Der klassische Außendienst nutzt dabei in der Regel Beispiele sozial höher aufgestellter Menschen, beispielsweise den Chef des Kunden, um sein Produkt schmackhaft zu machen.

Die E-Mailabzocke setzt auf Prominente. Auch der Hinweis, dass eine beliebte Fernsehsendung aufgrund des „großen finanziellen Potenzials“ für die Zuschauer nicht ausgestrahlt werden dürfte, suggeriert Vertrauen. Die Ausstrahlung wurde verhindert, um die Banken zu schützen? Da muss was dran sein, an dem „geheimen“ Produkt, um Millionen zu verdienen. Die Bildzeitung als Schlagzeilenlieferant setzt dem ganzen dann noch die Krone im Wettlauf um das Vertrauen der Verbraucher auf.

Soviel zu der werbetechnischen Aufmachung, die in fast fehlerfreiem Deutsch erscheint. Die Präsentation der Mail lässt ebenfalls den Eindruck zu, es müsse doch etwas seriöses sein. Im Vergleich zu sonstigen Spam-Mails ist das Deutsch fehlerfrei und die vermeintlichen Interviews der Prominenten scheinen auch echt zu sein. Gut, das sind sie nicht, es handelt sich um sehr gut zusammengeschnittene Videoschnipsel. Die Macher dieser Abzocke haben sich ihr Gerüst zur Kundengewinnung, oder besser, zur Opfergenerierung, etwas kosten lassen.

Wer steckt dahinter?

Das wüssten Verbraucherschützer, Polizei und Staatsanwaltschaft, nicht nur in Österreich, Schweiz und Deutschland auch gerne. Die Erkenntnisse reichen bislang jedoch nur soweit, dass es sich bei den Anbietern fast ausschließlich um ein Netzwerk unterschiedlicher Portale handelt, die vermutlich alle auf einem Server zusammenlaufen. Nur wo dieser steht, ließ sich leider noch nicht herausfinden.

Die Anzahl der vorgeblichen Anbieter ist so groß, dass wir an dieser Stelle darauf verzichten, sie zu listen, sondern verweisen an dieser Stelle auf einen Beitrag des Portals finanzsache.at, der sie aufführt. Beispiele für Bitcoin Programm mit Bitcoin Trading Robotern sind hier Bitcoin Era, Bitcoin Profit, Bitcoin Code, Bitcoin Future und ähnliche Namen.

Wir können uns dem Rat der Kollegen nur anschließen: Wer an eines der genannten Unternehmen Geld überwiesen hat, sollte dies abschreiben, die Polizei informieren und keine Zahlungen mehr vornehmen!

Wie funktioniert die Abzocke?

Wir wollen die Masche anhand der Seite „the-newse.org“ und deren Produkt „Bitcoin UP“ erläutern. Den Einstieg haben wir geschildert. Mit vermeintlichen Aussagen Prominenter wird Neugierde geschürt.

Fake-News von Promis sollen den Erfolg der Bitcoin Robotern dokumentieren
Fake-News von Promis sollen den Erfolg der Bitcoin Robotern dokumentieren

Wer jetzt klickt, wird auf einen detaillierten Fake-Bericht weitergeleitet, in dem das Prinzip anhand der Erfolgsstory, in diesem Fall von Boris Becker, detailliert beschrieben wird. Die Seite ist unter dem Namen „the-newse.org/top“ registriert, eine angebliche Nachrichtenseite.

Der Beweis, dass diese Gewinne aber auch für Menschen wie Du und ich möglich sind, liefern die „Fake-News“ am Bildrand. Durchschnittsbürger verdienen nicht überdurchschnittlich wie Prominente, sondern in eher übersichtlichen, aber attraktiven Größenordnungen. Summen wie 9.200 Euro oder 22.219 Euro sind unverdächtig und suggerieren durch die „krummen“ Zahlen Echtheit.

Was uns besonders amüsierte, war folgendes Zitat in Zusammenhang mit einem angeblichen Selbsttest der „Nachrichtenseite“:

„Einer unserer Online-Redakteure, Erol Kamisli, erklärte sich freiwillig bereit, sein eigenes Geld zu riskieren und den „Bitcoin UP“ zu testen. Erols Familie kämpft an jedem Monatsende, …“

Ein Nachrichtenportal, dass seinen Redakteuren so wenig bezahlt, dass die Familie am Monatsende kämpft????

Natürlich hatte Erol Erfolg und dokumentiert dies auch gleich mit dem Guthabenscheck, der auf ihn ausgestellt war:

auszahlung bitcoin
Falscher Name, Datum vor Bitcoin > Vorsicht vor Bitcoin Betrug per Mail!

Quelle:

Gut, Erol Kamisli heißt auf dem Scheck jetzt Zachary Tisdall, aber das sind bei einer echten Erfolgsgeschichte eher Nebensächlichkeiten.

Gleiches gilt für die unterschiedlichen Daten auf dem Scheck, einmal 16.4.2000, einmal 19.11.2004, beide nicht mehr so ganz aktuell und aus einer Zeit vor den Kryptowährungen. Der Bitcoin wurde erstmalig im Jahr 2007 generiert.
Aber, bei dem anstehenden Reichtum ist das eher irrelevant.

Nachschuss und Verlust ist vorprogrammiert

Natürlich findet sich auch gleich die Anleitung, wie man selbst an diesen Erfolgen teilhaben kann. Vor allem, man muss nichts tun, um reich zu werden. Der Algorithmus macht das alles alleine für die Kunden. Zunächst geht es darum, ein Konto zu eröffnen und per Kreditkarte die Mindesteinzahlung von 250 Euro zu überweisen. Nach der Freischaltung kann der Kunde jetzt traden. Anfänglich erhält er sogar kleine Gewinne oder er wird nur mit marginalen Verlusten belastet, alles in Größenordnungen, die zum Weitermachen animieren.

Es ist klar, die Verluste häufen sich mit der Zeit, das Opfer muss nachschießen. Ähnlich wie bei den inzwischen verbotenen binären Optionen meldet sich der persönliche Manager, um den Kunden zu weiteren Investitionen zu animieren. Wer sich sein Geld auszahlen lassen möchte, wird allerdings darauf verwiesen, dass das so einfach auch nicht ist. In der Regel muss ein Mindestbetrag auf dem Konto vorhanden sein. Wie hoch dieser ausfällt, ist leider weder auf der Seite noch in den auf Englisch gehaltenen Allgemeinen Geschäftsbedingungen ersichtlich.

Unser Fazit: Gier macht blind

Wir sagen: Diese Betrugsmasche ist so offensichtlich, dass ein gesunder Menschenverstand bereits davon abhalten sollte, darauf anzuspringen. Wer sich die Seiten mit offenen Augen anschaut und nicht von Gier getrieben ist, wird dies sofort feststellen. Die Betreiber greifen auf die einfachsten Verkaufstricks zurück:

  • Prominente Fürsprecher.
  • Angebliche Erfolgsstorys von den Menschen von nebenan.
  • Kleine Zahlen zu Beginn.
  • Künstliche Verknappung der Teilnehmerplätze.