Die Sache mit der Sehnsucht

Es ist eines meiner Lieblingsworte im Deutschen. Keine andere Sprache bringt dieses spezielle Gefühl namentlich so auf den Punkt. Es ist ein großes Wort, das man auch nicht klein aussprechen kann. Es nimmt Raum ein und die Luft für den nächsten Atemzug. Sie überfällt uns, wenn wir gerade allein sind. Oder mit den Mädels unterwegs sind. Sie kann uns in übervollen, lauten und verrauchten Bars einen Besuch abstatten, im Supermarkt, in der schönen und warmen Ferne, abends auf dem Crosstrainer im Fitnesscenter. Sie nimmt keine Rücksicht darauf, ob es Dir gerade eigentlich knorke geht oder unterirdisch mies. Sehnsucht hat uns alle im Griff.

Ganze Leben werden aus Sehnsucht radikal auf den Kopf gestellt.

Sehnsucht läßt sich nicht wegsperren, sie bahnt sich Wege ans Licht. Manchmal hat die Sehnsucht auch keinen Namen und man weiß eigentlich gar nicht richtig, wonach man sich sehnt. Es ist so ein Ziehen im Bauch, so eine Schwere im Herzen und in der Seele wird es diesig.

Die Sehnsucht nach Leichtigkeit, nach Bestimmung, nach Zugehörigkeit, nach Ankommen. Nach einem Menschen, dem wir wichtig sind und der sich richtig an unserer Seite anfühlt. Von allem ist etwas in jedem von uns. Mal mehr, mal weniger. Nur sind wir Meister im betäuben und weggucken geworden. Wir lassen Träume und Hoffnungen manchmal allzu schnell von der Leine und gucken ihnen mit einem Seufzer hinterher, wie sie davon segeln.

Es ist auch Sehnsucht, die uns auf unsere Yogamatte bringt. Immer und immer wieder.

Denn dort haben wir die Möglichkeit, diesem Sehnen nachzugeben. Und das präsentiert sich auch so unterschiedlich, wie wir Menschen nun mal alle sind: Der eine sucht und findet die langersehnte Ruhe im Kopf, die andere sehnt sich nach einem Knackpo. Manch einer möchte den Flow spüren, das energetische Strömen im Fluss der Bewegung, wieder andere sehnen sich nach einem schmerzfreien Körper.

Sehnsucht ist so wertvoll, weil sie uns für einen kostbaren Moment mit intensivem Lebensgefühl füllt.
Eine machtvolle Instanz, die uns Antrieb gibt weiter zu machen. Immer und immer wieder.