Gesetzliche Krankenversicherung für Selbständige

Wer selbständig arbeitet sollte bei der Wahl der Krankenversicherung folgende Punkte berücksichtigen:

  • Aktuelles Alter
  • Einkommen / Umsatz (dauerhaft)
  • Gesundheitszustand
  • Familienplanung /Kinder

Als Faustformel gilt, dass die gesetzliche Krankenversicherung für Selbständige die bessere Wahl ist, wenn

  • das Einkommen im Durchschnitt eher niedrig und/oder unregelmäßig ist (z.b. Gründungsphase)
  • bereits Krankheiten oder Beschwerden bestehen (z.b. wenn psychische Behandlungen laufen)
  • Kinder und/oder Ehepartner mitversichert werden sollen

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Themen auf dieser Seite

KrankenzusatzversicherungKünstlersozialkasseLohnt das gesetzliche System für Privat-Unternehmer?

Selbständige Unternehmer können freiwilliges Mitglied in einer gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) werden. Durch die Gesundheitsreform und die Einführung des Gesundheitsfonds erhebt die Krankenkasse für Selbstständige einen Beitrag von 14,0 % zzgl. Kassen-Zusatzbeitrag in Prozent des Bruttoeinkommens (ohne Krankengeldbezug). Maximal wird die Beitragsbemessungsgrenze von 4.687,50 EUR (Stand: 2020) im Monat zugrunde gelegt, mindestens jedoch 1.061,67 EUR monatlich. Aus der niedrigeren Grenze ergibt sich ein Mindestbeitrag für Selbständige in der GKV von rund 148,63 EUR monatlich, zuzüglich Zusatzbeitrag je nach Kasse. Doch Vorsicht: Durch den fehlenden Arbeitgeberanteil lohnt die gesetzliche Krankenkasse für Unternehmer meist nicht, insbesondere bei hohen Einkünften.

Neue Mindestgrenze für die Beitragsberechnung

Die aktuelle Beitragsbemessungsgrenze für hauptberuflich Selbständige wurde mit dem neuen Koalitionsvertrag zum Januar 2019 reduziert. Die ehemalige Mindestgrenze von 2.283,75 EUR (bis 2018) wurde 2019 auf 1.038,33 EUR gesenkt und beträgt für 2020 aktuell 1.061,67 EUR.

Die SPD plante 2018 eine Mindestgrenze von 850 EUR – Spitzenverband und Union wollten dagegen „nur“ eine Absenkung auf 1.522,50 EUR. Das entspräche der Bemessungsgrundlage von Selbständigen mit Gründerzuschuss. Die Krankenkassen kritisierten eine Einigung auf 1.150 EUR, da ein solches Einkommen weit unter dem eines Angestellten mit Mindestlohn läge. Jemand mit einem Mindest-Stundenlohn bekäme rund 1.500 EUR. Der Spitzenverband und die Union konnten ihre Forderung durchsetzen. Selbständige, die einen Gründungszuschuss erhielten, profitierten von einer reduzierten Beitragsbemessungsgrundlage von 1.522,50 EUR; auf Antrag bei der Bundesagentur für Arbeit und unter besonderen Umständen konnten auch Selbständige ohne Gründerzuschuss ihre Bemessungsgrundlage auf selbigen Betrag absenken.

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Seit Januar 2018 gibt es eine entscheidende Veränderung für die Beitragsberechnung von freiwillig versicherten Selbständigen. Die Neuregelung im Heil- und Hilfsmittelversorgungsgegestz (HHVG) bewirkt, dass die Krankenkassenbeiträge fortan vorläufig festgesetzt werden und erst später anhand des Steuerbescheids angepasst werden. Das hat dann Rückerstattungen oder Nachzahlungen zur Folge. Die Beiträge Selbständiger passen sich damit stärker an die individuelle Einkommenslage an. Besonders für Verdiener nahe der Geringfügigkeitsgrenze und der Mindestbeitragsgrenze kann es zu existenzbedrohlichen Nachzahlungen kommen.

Jeder freiwillig gesetzlich versicherte Selbständige kann Anspruch auf Krankengeld anmelden. Hierfür ist es seit 01. August 2009 notwendig, einen Wahltarif abzuschließen oder den Normaltarif von 14,6 % zuzgl. Kassen-Zusatzbeitrag in Prozent zu bezahlen. Sofern keine der beiden Möglichkeiten in Anspruch genommen wird, verfällt das Anrecht auf Krankengeld.

Weitere wichtige Versicherungen

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Selbständige, die sich aus familiären Gründen für eine gesetzliche Versicherung entschieden haben, müssen aufgrund eines festgelegten Leistungsumfangs auf einige Leistungen verzichten, von denen privat Versicherte profitieren. Vor diesem Hintergrund greifen viele Menschen zu einer Zusatzkrankenversicherung. Im Rahmen eines Baukastenprinzips kann der gesetzliche Leistungskatalog durch diverse Zusatzoptionen bedarfsgerecht erweitert werden.

Krankentagegeldversicherung kann sich daher für viele selbständig Tätige als ausgesprochen sinnvoll erweisen. Zu beachten ist: Eine private Krankentagegeld-Versicherung endet bei Eintritt in die Berufsunfähigkeit. Die Absicherung des Berufsunfähigkeitsfalls kann zum Beispiel mit einer eigenen Zusatzversicherung erfolgen.

Versicherung über die Künstlersozialkasse (Künstler & Publizisten)

Gründer, die sich im Bereich der Kunst oder Publizistik selbstständig machen, haben besondere Rechte und Pflichten. Zu ihnen gehören Musik- und Kunst­schaf­fen­de, Schriftsteller sowie Journalisten. Sie sind nach dem Künstler­so­zial­ver­sicherungsgesetz (KSVG) gesetzlich pflichtversichert. Ihnen steht also ein Wechsel in die private Krankenversicherung erst bei Überschreitung der Versicherungspflichtgrenze offen.

Dafür genießen sie den Vorteil, Mitglied der Künstlersozialkasse (KSK) zu werden, die die Rolle des Arbeitgebers übernimmt und damit dessen Anteil an den Sozialabgaben. Die KSK ist jedoch keine Versicherung. Es handelt sich vielmehr um eine Organisation, unter deren Dach sich Künstler und Publizisten sammeln und dann Anspruch auf die gesetzlichen Sozialversicherungs­leis­tungen haben. Man sucht sich weiterhin seine Krankenkasse selbst aus, zahlt seine vom Einkommen abhängigen Beiträge (auch die für die gesetzliche Pflege- und Rentenversicherung) aber an die KSK. Diese wiederum überweist diese zusammen mit dem Arbeitgeberanteil an die eigene Krankenkasse. Die Anmeldung erfolgt direkt bei der KSK. Eine Antragsstellung ist für jeden Künstler und Publizisten Pflicht. Die Beteiligung an den Beiträgen gibt es auch in der PKV als „private Künstlersozialversicherung“.

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