Wie gesund sind grüne Smoothies aus Sicht des Ayurveda?

Vor einigen Wochen belegte ich ein Tagesseminar über die Ernährungsgrundlagen der traditionell chinesischen Medizin (TCM). Es war insgesamt sehr spannend und die TCM hat in vielen Bereichen ähnliche Ansätze wie die ayurvedische Ernährlungslehre: typgerechtes Essen, einbeziehen aller Geschmacksrichtung und energetischen Grundlagen sowie nicht zu viel Rohkost.

 Am Ende des Kurses blieb noch Zeit um Fragen zu klären. Schnell lenkte sich die Diskussion darauf wie die TCM Ernährungsberaterin den veganen Trend, Paleo und Smoothies findet.

Spannend, dachte ich und spitzte die Ohren. Doch dann legte die gute Frau los und sprach sich komplett gegen grüne Smoothies aus. Ich war verblüfft, DER Ernährungstrend No. 1 plötzlich doch ungesund? Zu rohköstlich seien sie, zu unnatürlich (so hätte der Mensch seine Nahrung bisher niemals aufgenommen), energetisch zu kalt und meist nicht typgerecht, rundum: absolut nicht empfehlenswert.

Wie gesund sind grüne Smoothies aus Sicht der ayurvedischen Medizin wirklich?

Ich verließ reichlich verwirrt das Seminar. Ich habe bisher bei mir persönlich und bei meinen Klienten in der Ernährungsberatung immer nur positive Effekte des grünen Drinks erlebt und keinerlei Widerspruch in der ayurvedischen Ernährungslehre und Green Smoothies gesehen. Lag ich da falsch?

Grund genug ausführlich zu recherchieren und mit meinem Ayurveda-Arzt und -lehrer zu sprechen. Hier meine persönliche Quintessenz (basierend auf meinen Erfahrungen, Studien, Fachartikeln und Expertenmeinungen):

  • Grüne Smoothies sind vollgepackt mit wichtigen Nährstoffen und Mineralien. Aber können wir diese auch aufnhemen? Ein wichtiger Grundsatz im ayurvedischen Medizinsystem ist die Abklärung, ob der Körper überhaupt in der Lage ist diese Nährstoffe aufzunehmen und zu verstoffwechseln. Einem verstopften Motor nützt das beste Benzin nichts. Das Agni (Verdauungsfeuer) kann zu schwach sein und der Körper wird durch die Ernärhungsdichte und schwer verdaulichen Blattgemüse eher geschwächt als gestärkt. Daher ist es wichtig eine gute Verdauung zu haben um den optimalen Vitalstoff-Nutzen aus den Smoothies zu ziehen.
  • Häufig werden Smoothies zu kalt getrunken, z.B. wenn sie im Kühlschrank gelagert wurden. Zu kalte Nahrungsmittel schwächen das Verdauungsfeuer und die Enzymaktivität wird heruntergefahren. Der Stoffwechsel und somit unser Energielevel werden gebremst.
  • Smoothies sind nicht unbedingt typ- und jahreszeitengerecht. Habt ihr das schon mal erlebt? Nach einem Smoothie-Mix fühlt man sich super, nach einem anderen eher schlapp? Das liegt daran, dass nicht jede Zutaten-Kombi für jeden Typen unbedingt wohltuend ist. Auch die Jahreszeit ist ein wichtiger Punkt. Mich persönlich gelüstet es im Sommer häufiger nach einem erfrischenden Smoothie als im Winter. Da bevorzuge ich manchmal morgens ein warmes Porridge.

Was kann man also tun um Smoothies etwas „Ayurveda-freundlicher“ zu machen?

  • Diese allgemeinen Tipps helfen:
  • Ingwer, Zimt oder Kurkuma als Verdauungsankurbler in den Smoothie geben
  • Smoothies nicht zu kalt trinken, im Winter sogar mit ein bisschen warmen Wasser zubereiten
  • Keep it simple. Wenige, einfache und saisonale Zutaten
  • etwas Kokosöl hinzugeben um die kühle und rauhe Qualität des grünen Blattgemüse etwas auszugleichen
  • nicht zu viele Früchte verwenden
  • Smoothies während der Pitta-Zeit des Tages trinken, also zwischen 10-14 Uhr. Hier ist unser Stoffwechesl und Agni am aktivsten.
  • Typgerechte die Zutaten auswählen. Vata-Typen profitieren von milden, nährenden und schweren Zutaten, Pitta-Typen benötigen kühlende und süßlich-bittere Komponenten und Kapha-Typen werden durch leichte, stimulierende und trockene Zutaten optimal versorgt.

Fazit

Für mich stehen Ayurveda und Green Smoothies weiterhin nicht im Gegensatz. Ich halte die Drinks – in richtiger Zutaten-Kombination und wenn ich Lust darauf verspüre – für ein gesundes und sinniges Ernährungkonzept. Ayurveda ist die Wissenschaft des Lebens und zielt darauf ab die persönliche Balance & Vitalität zu erhalten. Es gibt keine Verbote und strenge Regeln. Und wenn ein Green Smoothie meine Energie pusht, ist das in dem Moment eben genau das Richtige für mich. Und wenn es zu einem anderen Zeitpunkt ein ayurvedischer, gekochter Brei ist, hat das genauso seine Richtigkeit.

Jede Ernährungsphilosphie verfolgt einen anderen Ansatz und manchmal scheinen sie unglaublich widersprüchlich. Es ist aber eigentlich eine feine Sache, dass es soviele verschiedene Konzepte gibt, denn auch jeder Mensch ist anders und kann sich eben mit der einen oder auch anderen Ernährungsrichtung besser identifizieren. Wichtig ist einfach für sich selbst zu entscheiden was sich gut anfühlt, was dem Körper Kraft und Energie gibt und was gut ins eigene Leben und (Werte)-Vorstellung passt. Egal was gerade Trend ist!