Hilfe, ich liebe einen Yoga-Muffel!

Der Mann meines Herzens liebt Burger, Boxen und Bruce-Lee-Filme. Räucherstäbchen, Yogi-Tee und den Schneidersitz findet er doof. Er stemmt in seiner Freizeit gerne Eisenstangen und ist auch so gelenkig wie die Mucki-Booster. Ein einziges Mal hat er ein Bikram-Yogastudio von innen gesehen. Was vom schweißnassen Trip in knappen Shorts hängen blieb? Die Erinnerung an biegsame Bikini-Mädchen und die Erkenntnis: „Liebes Yoga, das mit uns war eine einmalige Sache“. Mieses Pärchen-Karma?

Sita und Ram: Das klingt nach Big Yoga Love

Früher habe ich mir ausgemalt wie schön es wäre, mit einem Yogi durchs Leben zu gehen. Vom ersten Sonnengruß im Morgengrauen bis zur Moonlight-Yoga-Session unterm Sternenhimmel. Fleischgewordenes Yin und Yang, 365 Tage im Jahr. Vielleicht, weil meine ersten Yogalehrer ein Liebespaar waren. Sie hörte auf den spirituellen Namen Sita. Er nannte sich Ram. SITARAM! – wie romantisch, dachte ich damals und grübelte, welche Namen wohl zu mir und meinem zukünftigen Lover passen würden. Brangelina India-Style, die Bhagavad Gita gibt da ja so einiges her. Und während ich von den Klippen Varkalas bis zum Wannsee-Strand über die große, allumfassende Liebe meditierte, kam (Überraschung!) doch alles ganz anders …

Pratyahara, Pranayama, Patanjali – Böhmische Dörfer für den Einen

Der Mann mit dem ich Bett und Besenkammer teile, hält meine Yoga-Freunde für grüne Smoothies schlürfende Traumtänzer. Er hält mir gerne mit triumphierendem Gesichtsausdruck Artikel unter die Nase, in denen es um die Schädlichkeit von Asanas für die Gesundheit geht. „Ich verstehe gar nicht, warum Dir das alles so wichtig ist“, grummelt er, wenn ich mit glänzenden Augen in Neon-Leggings und mit Matte unterm Arm zum nächsten Im-Kopfstand-zum-Glück-Workshop aufbreche. „Hase“, denke ich in solchen Momenten, „das ist jemandem, der so selten Kopf steht wie Du, schwer zu vermitteln“.

Ich fühle mich wie eine Undercover-Agentin, Mission: „Ommm up His Life“

Da der Mensch mit dem größten Platz in meinem Anhata-Chakra niemals Yoga-Blogs lesen würde, kann ich es hier ausplaudern: Unser Alltag ist infiltriert von Healthy-Happy-Holy-Momenten! Manchmal fühle ich mich wie eine Undercover-Agentin, unterwegs in der Mission „Ommm up His Life“. Da sind zum Beispiel meine Savasana-Massagen mit Lavendel-Lotion. Die werden zu jeder Tages- und Nachtzeit gerne angenommen. Oder die kleine Runde Yoga-Nidra zwischendurch. Irgendwie erfrischend. Na ja, nach seinem Schnarch-Koma. Getoppt werden kann das nur von Wett-Planking zu Old-School-Rap. Und sogar mit meiner Ganesha-Statue aus Bali konnte der Yoga-Muffel sich nach anfänglichem Fremdeln anfreunden! Vielleicht auch, weil die zwei so viel gemeinsam haben: Beide sind echt coole Typen, die mich erden und auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Beide geben mir immer wieder Kraft, Mut und Zuversicht fürs nächste Abenteuer. Ist die große Liebe am Ende doch der beste Guru?

Meditieren statt Mosern

Klar, ich fände es fantastisch, wenn wir sonntags Hand in Hand zum Yin Yoga schlendern würden, wir beim Aerial Yoga gemeinsam in den Seilen hingen oder er mich beim Acro Yoga in der Kerze auf seinen Füßen balancieren würde. Oder stopp, vielleicht doch nicht? Denn meine kleine Yogawelt ist mein ganz persönlicher Rückzugsort, meine Energie-Tankstelle, meine Go-with-the-Flow-Garantie. Hier habe ich gelernt, dass man nur sich selbst und seinen Blick auf die Dinge und Menschen um einen herum ändern kann. Und dieser Blick zeigt mir jeden Tag etwas unglaublich schönes. Brain, Bizeps und buddaesque Ruhe inklusive. Ganz ohne Chaturanga und Chakra-Dusche. Manchmal frage ich mich, wer eigentlich der größere Yogi von uns beiden ist …