Auf die Matte, fertig, los: Fünf Tipps für jeden Tag Yoga

Mehrmals die Woche ins Yogastudio rennen? Gut. Zuhause regelmäßig auf die Matte? Für mich noch viel besser. Warum? Lies selber.

Yoga kam vor Jahren in mein Leben – verkleidet als DVD von Ursula Karven. Und heute sage ich es wieder mit Stolz. Die Ursula ist nämlich eine Gute, so!

Zwischendrin habe ich mit meinem gefühlt „unyogischen“ Start etwas gehadert , denn Jahre später, in meiner Yogalehrerausbildung, wurde über DVD-Yoga der Kopf geschüttelt. Nein, so was ersetze keine „richtige“ Yogastunde. Tja, was soll ich da schreiben? Ich schreibe ein Plädoyer. Denn auf der eigenen Matte, da ist alles anders – für mich jedenfalls.

Wann du willst

Als mein jüngster Sohn noch kleiner war und Zuhause herumlag haben mich Ursula, ihre Kolleginnen und ein Stapel Yogabücher schlicht gerettet. Das Kind schläft für eine halbe Stunde und ich bin komischerweise mal nicht todmüde? Gut! Fernseher an- einatmen- ausatmen – meinen Körper wieder spüren. Zuhause kann ich immer auf die Matte: Früh am Tag, spät, mittendrin. Ich habe schon alles gemacht. Von 90 minütiger Praxis am sehr frühen Morgen (gähn) bis zum kurzen Handstand-üben im Türrahmen. Zuhause einen Ort zu haben – bei mir im Wohnzimmer mit Blick auf einen Gartencenter Buddha (den ich heiß liebe) – und jederzeit dort auf die Matte zu können ist ein Geschenk, ein goldenes!

Keine Vergleiche möglich

Ich bin zu meiner Schande (die Erleuchtung ist weit entfernt) ehrgeizig. Sehr ehrgeizig. Was bedeutet, dass es für mich nicht gut ist, wenn ich andere sehe. Denn ich vergleiche mich andauernd. Obwohl ich so schön versuche es mir abzugewöhnen. Schrecklich ist zudem: Es wird nur sehr langsam besser. Und ja, ich weiß, beim Yoga geht es nur um mich selbst. Aber ich lasse mich so leicht ablenken. An schlechten Tagen sehen meine Augen (gutes periphäres sehen! Hat mir früher bei Volleyballspielen toll geholfen!) die Frau hinten links, die diese bunte, neue Leggings trägt und einen phänomenalen Hintern hat und auch den Typen vorne rechts, der tatsächlich dieses hochdrücken in den Handstand beherrscht. Kurz gesagt: Ich bin abgelenkt. Von mir. Von meinem Atem. Passiert mir Zuhause selten.

Hinhören lernen und feinfühlig werden

Neulich habe ich von Vanda Scaravelli gelesen und einem Yoga, was sich emanzipiert hat von normierten Formen und so dem eigenen Körpergefühl mehr Raum gibt. So fühle ich es auch Zuhause. Ja, gutes Wissen ist notwendig, um keine Verletzungen zu bekommen (gerade wenn man ehrgeizig ist) aber andererseits lehrt uns das Yoga auf der eigenen Matte auch das, was wir uns nicht anlesen können: Hinhören in den eigenen Körper, in den eigenen Atem. Nur bei sich sein. Atmen und bewegen- was will mein Körper heute? Was brauche ich? Mit einer regelmäßigen Praxis Zuhause werden wir feinfühliger für uns selbst. Wir spüren was uns gut tut und was nicht und können dem ungehindert nachgehen. Kein Herdentrieb und Gruppenzwang – nur wir und die Matte. Sagte ich schon: Es ist herrlich?

Frei sein – und kreativ

Wie gesagt, es fing an mit besagter DVD, dann kamen nach einigen Ashtanga Workshops mehrere Monate des strengen Ashtanga-übens. Immer die gleichen Asanas – das hat mich entspannt und befreit vom Stress mir überlegen zu müssen was als nächstes kommen kann. Aber mit der Übung kam die Feinfühligkeit für mich selbst und die Lust mich zu lösen. Heute mache ich, was ich will. Das kann wildes Vinyasa sein, Jazzdance-Einflüsse willkommen oder ganz sanftes regeneratives Yoga. Alles ist möglich, alles geht. Ich mache auf der Matte, was mir gefällt. Diesem Raum der Freiheit und ungezügelten Kreativität setzt nur mein Körper Grenzen. Schön ist das und fast schon ungewohnt in meiner doch etwas reglementierten Welt.

Ich mache auf der Matte, was mir gefällt.

Und? Schon Lust bekommen? Damit der Einstieg leichter wird, habe ich noch was:

Fünf kleine Tipps für einen guten Start

  • Ein sanfter Start. Damit ich meinen Körper gut hören kann, muss ich mich erst einstimmen. Ich starte aufrecht sitzend auf meiner Matte, wenn es gut läuft eine Kerze angezündet am Buddha und ein Räucherstäbchen vielleicht auch. Ich schließe die Augen, ich atme und fühle wie sich das heute anfühlt. Atme ich flach? Oder habe ich heute viel Volumen? Spüre ich meine Rippen beim tiefen atmen? Es ist jedes Mal anders. Nimm dir Zeit und stimm dich ein.
  • Eine kleine Meditation. Fünf Minuten lang nur sitzen und dem Atem lauschen. Vielleicht mit einem kleinen Satz, der den Start in den Tag erleichtert. „Ich atme Energie ein.“ beim Einatmen und „Ich bin da.“ beim Ausatmen mag ich gerade gerne . Wobei dies eine Momentaufnahme ist. Wechseln macht Spaß! Schau mal, was dir in den Sinn kommt und gut tun könnte.
  • Mobilisieren kann nie schaden. Augen auf und dann erst einmal die Schultern kreisen lassen, das Becken, ein bisschen Katze und Hund? Auch hier gilt: Tun, was gefällt. Mir hilft es sanft zu starten – mit ein paar kleinen Bewegungen. Und auch hier zu fühlen: Was brauche ich gerade? Was fühlt sich gut an? Manchmal ist das ein Sonnengruß, ganz in Zeitlupe. Manchmal ein wilder Kundalini-Becken-im-Sitzen-Kreisen-Tanz. Vertrau darauf, dass dir einfällt was dir gut tut!
  • Bewegen und Innehalten. Wenn es dann dynamischer zugeht, dann genieße ich das. Verausgabe mich ein wenig. Spüre wie mein Atem schneller wird. Und halte inne. Wichtig, damit ich vor lauter Freude an der Bewegung nicht vergesse zu hören was mein Körper so sagt. Die Gefahr ist bei mir, dass ich mich dann zu sehr verausgabe. Innehalten also nicht vergessen, kann nämlich passieren vor lauter Spaß.
  • Entspannen. Anfangs habe ich Zuhause Shavasanah geschwänzt. Bin aufgesprungen und habe gemacht, was auf der Liste stand (oder mir einfiel). Wie schade! Mittlerweile passiert mir das nicht mehr. Egal wie lang oder kurz ich auf meiner Matte bin: Es wird sich entspannt! Liegen und die Schwere fühlen. Spüren wie ruhig mein Geist ist. Das ist einer der besten Momente auf der Matte. Ich sage: Nicht versäumen!

Zum Schluss:

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Kästner)

Also los, wer noch nicht gestartet ist: Steh morgen früher auf und hüpf auf die Matte! Lös dich von dem, was du meinst was musst und tu was dir gefällt! Hör gut hin, was brauchst du? So ein Date nur mit dir selbst hast du selten. Genieß es.