Jeder wie er mag

chacun à son goût: Ein Aufschrei, der vor ein paar Wochen durch Yogaszene hallte, liess mich meine Ohren mit beiden Zeigefingern fest zustopfen und die Augen verdrehen:

Tara Stiles ließ sich für die amerikanische Hotelkette „W“ in einem gläsernen Anhänger durch New York karren und macht in dem Ding (Achtung, jetzt kommt’s): Yoga. „Unser heiliges Yoga wird beschmutzt!!“ zetern die einen, „Wie kann sie es wagen?“ heulen die anderen. Bedauerlicherweise habe ich nicht genügend Grimassen in meinem Repertoire, was eigentlich schon recht gut bestückt ist, um dieser Empörung der „traditionellen“ Yogajünger gerecht zu werden.

Was geht ab?

Kriegt euch mal alle wieder ein Stückchen weit ein. Das Mädchen ist supernice anzusehen, Ex-Model und Ex-Tänzerin, und hat sich die letzten Jahre mit einem eigenen Strala Studio in New York, Büchern und ihren selbstgemachten Youtube Videos („Hi guys, it’s Tara Stiles…“) in die Herzen vieler Menschen geschlichen, denen Yoga eher ein Begriff von „Yoda? Hat sie Yoda gesagt?“ oder schlicht zu esoterisch angehaucht war. Völlig legitim. Für mich spricht da nur der reine Neid aus viel zu vielen angeblichen „Super-Yogi’s“.

Vorher stöhnte das Kollektiv, daß Yoga noch nicht überall angekommen sei, dabei sei es doch gerade für Lieschen Müller so supergesund. Kaum hat der Mainstream Yoga für sich entdeckt, ist das auch wieder mies.

Und was war eigentlich noch mal genau mit dem „nicht werten“? Ich muß ja schon meine falt-, wiederverwert- und selbstverständlich recyclebare Brechtüte herausholen, sobald man mit mehr als 3 Yogalehrenden oder Praktizierenden locker zusammensitzt und vor jedem zweiten Satz „Also, ich will ja nicht werten, aber…“ hören muß.

Und wenn Du, dass was Tara aus ihrer Art Yoga zu verstehen macht, verwerflich und abartig untraditionell findest, fein. Vielleicht findest Du es ja auch schlau und marketingtechnisch unschlagbar. Auch gut. Und vielleicht ist Dir das auch total hupe. Denn Deine Art Yoga in Dein Leben zu integrieren und zu praktizieren wird sich dadurch nicht groß ändern.

Wie schön, dass wir alle und noch so viele mehr, die noch auf dem Weg sind, Platz haben dürfen, auf der großen Spielwiese Yoga.

Lasst es leicht und frei bleiben und nicht eng und dogmatisch.