Österreich Anfang 2021 – die Pleitewelle kommt

2020 war für fast alle Unternehmen in Österreich ein Ausnahmejahr. Die Firmenpleiten sind sogar im ersten Halbjahr 2020 um ein Viertel zurückgegangen.

Staatliche Hilfspakete wie Steuerstundungen und Kreditbürgschaften, aber auch die Kurzarbeit haben kurzfristig dafür gesorgt, dass viele bereits angeschlagene Unternehmen noch überleben können. Doch die staatlichen Hilfspakete werden auslaufen. Daher wird spätestens mit Anfang 2021 mit einer Pleitewelle gerechnet.

Die Verschiebung in das Jahr 2021 wurde auch möglich, weil die Finanzämter und Krankenkassen alle Abgaben auf Antrag bis zum 15. Jänner 2021 gestundet haben. Doch auch nach dem 15.Jänner 2021 gibt es noch die Möglichkeit, eine Ratenzahlungsvereinbarung für elf Monate abzuschließen.

Kleinere Unternehmen besonders betroffen

Der Geschäftsführer der Insolvenzentgeltfonds Service GmbH Wolfgang Pfabigan bereitet den IEF indes auf eine größere Insolvenzwelle vor. Der IEF übernimmt im Fall einer Firmenpleite die Ausfallhaftung für noch offene Lohn- und Gehaltsforderungen. Geld erhält der IEF überwiegend aus Arbeitgeberbeiträgen. Es handelt sich dabei um einen Zuschlag zur Arbeitslosenversicherung in Höhe von derzeit 0,2 Prozent.

Um abschätzen zu können, was auf den IEF im Jahr 2021 zukommt, wurde eine Studie beim Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung WIFO in Auftrag gegeben. Das Ergebnis steht derzeit noch aus. Überwiegend werden jedoch nach Meinung von Geschäftsführer Wolfgang Pfabigan kleinere Unternehmen mit einigen wenigen Mitarbeitern in die Insolvenz schlittern.

Die Prognosen sind düster

Auch Österreichs führender Kreditversicherungsmakler A.C.I.C. zeichnet für das Jahr 2021 ein düsteres Bild. Anhand der vorliegenden Daten hat der A.C.I.C. eine Durchschnittsprognose für das Jahr 2021 errechnet. Peter Androsch, geschäftsführender Gesellschafter, vertritt ebenfalls die Meinung, dass sich viele Firmenpleiten aufgrund der staatlichen Hilfspakete und Moratorien zur Insolvenzantragspflicht nur in das Jahr 2021 verschoben haben.

Um das Ausmaß zu berechnen, hat der Experte die Daten des Jahres 2019 mit denen des Jahres 2021 verglichen. Als Basis dienten die Durchschnittswerte für 2021 und die Werte des Jahres 2019. Das Jahr 2020 wurde bewusst nicht herangezogen, da es aufgrund der Hilfspakete ein trügerisches und verzerrtes Bild ergibt. Obwohl die Zahl der Insolvenzen zurückgegangen ist, haben sich die Schulden der Firmen verdoppelt.

Unternehmenspleiten steigen weltweit an

Österreich ist jedoch keine Ausnahme im weltweiten Geschehen. Nach den Berechnungen von Peter Androsch auf der Basis der vier größten Kreditversicherer wird die Anzahl der Unternehmenspleiten 2021 in Österreich um 15 Prozent steigen. Vergleichsjahr ist das Jahr 2019.

Für die USA wird eine Zunahme von 46 Prozent erwartet, für Italien 24 Prozent, für Frankreich 28 Prozent und Deutschland muss mit neun Prozent rechnen. Da Österreich stark exportorientiert ist, ist es von den steigenden Insolvenzzahlen seiner Handelspartner besonders betroffen. Weltweit steigt die Zahl der Unternehmenspleiten voraussichtlich um 31 Prozent.

Branchen mit wenig Versicherungsdeckung

Schon jetzt gibt es Branchen, die große Schwierigkeiten haben, eine Kreditversicherungsdeckung zu bekommen. Dabei handelt es sich um

  • den Tourismus
  • die Automobilbranche
  • die Luftfahrtindustrie.

Betroffen davon sind auch die Zulieferer der Luftfahrt- und Autoindustrie, die in Österreich stark etabliert sind. Jede Kreditversicherung dient der Absicherung von Lieferforderungen gegen einen Zahlungsausfall. Derzeit gibt es Deckungszusagen in Höhe von etwa 56 Milliarden Euro vonseiten österreichischer Kreditversicherer.

Vorsorgen ist besser als nachsorgen

Unternehmen, die ihre Forderungen absichern wollen, sollten damit nicht warten, bis die Pleitewelle rollt, sondern bereits jetzt Kontakt zu einem Spezialmakler aufnehmen, so Androsch. Ist die Pleitewelle erst einmal da, werden viele Lieferanten keine Deckungszusage mehr erhalten. Für eine Forderung, die bereits in Gefahr ist, wird keine Versicherung mehr abgeschlossen.

Textilbranche schon jetzt besonders betroffen

Schon jetzt ist die Lage in der Textilbranche besonders brisant. Die Sommerkollektionen waren bereits vor dem Lockdown bezahlt oder sind auf Kredit gekauft worden. Verkauft wurde dann aber nur wenig. Jetzt muss die Herbst- und Winterkollektion verkauft werden. Die Umsätze dürften weit unter denen des Vorjahres liegen.

Fazit

Es ist also keine Entspannung in Sicht. Weltweit werden die Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2021 auf ein Rekordhoch steigen.